- 90 % aller Hufrehefälle haben eine hormonelle Ursache — nicht nur üppiges Frühjahrsgras.
- Insulindysregulation (ID) ist der wichtigste Risikofaktor bei leichtfuttrigen Pferden und Pony-Rassen.
- Hufrehe ist genauso häufig wie Kolik: 1 von 10 Pferden ist jedes Jahr betroffen.
- Prävention wirkt von innen: Ernährung, Bewegung — und neu — ätherische Öle.
- Frühling und Herbst sind die gefährlichsten Jahreszeiten aufgrund hoher Fructanspitzen im Gras.
Was ist Hufrehe beim Pferd?
Hufrehe ist eine ernste und schmerzhafte Huferkrankung. Es handelt sich um eine Entzündung der Lamellen — des weichen Bindegewebes, das die Hufwand mit dem Knochen im Inneren verbindet. Wenn dieses Gewebe geschädigt wird, verliert der Huf seine strukturelle Integrität. Die Folge? Intensive Schmerzen, Lahmheit und in schweren Fällen eine Rotation oder ein Absinken des Hufbeins.
Hufrehe ist bei Pferdebesitzern weltweit zu Recht gefürchtet. Was jedoch viele nicht wissen: In 90 % der Fälle handelt es sich nicht um einen plötzlichen Unfall, sondern um die Folge einer zugrundeliegenden Stoffwechselstörung, die sich oft schon lange still entwickelt hat.
Wie häufig ist Hufrehe bei Pferden?
Hufrehe ist keine seltene Erkrankung. Ganz im Gegenteil.
Eine groß angelegte britische Studie (CARE-Studie, Royal Veterinary College), die mehr als 1.000 Pferde und Ponys verfolgte, ergab:
- 1 von 10 Pferden oder Ponys entwickelt jedes Jahr Hufrehe
- Hufrehe ist genauso häufig wie Kolik
- Mehr als 50 % der Fälle werden nie von einem Tierarzt diagnostiziert — die tatsächliche Prävalenz ist also wahrscheinlich noch höher
Die am häufigsten beobachteten Anzeichen bei betroffenen Pferden:
| Klinisches Zeichen | Häufigkeit bei betroffenen Pferden |
| Schwierigkeiten beim Wenden | 78 % |
| Kurzer, steifer Gang | 72 % |
| Lahmheit im Schritt | 70 % |
| Erhöhte Huftemperatur | 58 % |
| Gewichtsverlagerung / Bewegungsunwilligkeit | 51 % |
Was verursacht Hufrehe? Die Rolle der Insulindysregulation
Wie bereits erwähnt, haben 90 % aller Hufrehefälle eine hormonelle Ursache. Dieser Typ wird als endokrinopathische Hufrehe bezeichnet und steht in direktem Zusammenhang mit einer Störung des Insulinsystems — der sogenannten Insulindysregulation (ID).
Insulin ist ein wesentliches Hormon, das normalerweise folgendes reguliert:
- Den Blutzuckerspiegel
- Die Energiespeicherung in den Geweben
- Die Proteinsynthese
- Den Fettstoffwechsel
Bei Pferden mit ID funktioniert dieses System nicht mehr richtig. Das Ergebnis sind chronisch erhöhte Insulinspiegel im Blut — ein Zustand, der als Hyperinsulinämie bezeichnet wird. Forschungsergebnisse zeigen konsistent, dass diese dauerhaft hohen Insulinspiegel das Lamellengewebe im Huf schädigen. Die genauen Mechanismen umfassen Störungen der Zellsignalisierung, der Gefäßfunktion und der Stoffwechselprozesse — eine Kaskade, die schließlich zu einem Hufreheanfall führt.n cellular signalling, vascular function, and metabolic processes — a cascade that ultimately leads to a laminitic episode.
Welche Pferde haben das größte Risiko einer Insulindysregulation?
ID entwickelt sich am häufigsten bei Pferden, die von Natur aus „leichtfuttrig“ sind: Tiere, die auch bei eingeschränkter Fütterung leicht an Gewicht zunehmen oder es halten. Dazu gehören:
- Pony-Rassen (Welsh, Shetland, Connemara…)
- Kaltblut-Rassen
- Bestimmte Warmblut-Rassen
Aber auch genetische Veranlagung, mangelnde Bewegung, Übergewicht und gleichzeitige Erkrankungen wie PPID (Equines Cushing-Syndrom) können zur ID beitragen oder sie verschlechtern.
| Risikofaktor | Erklärung |
| Genetische Veranlagung | Leichtfuttrige Pferde, bestimmte Pony- und Kaltblut-Rassen |
| NSK-reiche Ernährung | Zucker- und stärkereiche Futtermittel lösen Insulinspitzen aus |
| Weidegras (Frühling/Herbst) | Hohe Fructanwerte nach Warm-Kalt-Wetterabfolgen |
| Übergewicht / Fettdepots | Genickfettpolster, Schweifansatz, hinter den Schultern: Warnsignale |
| Mangelnde Bewegung | Verringert die Insulinsensitivität |
| PPID (Cushing) | Verschlechtert bestehende Insulindysregulation |
Warum sind Frühling und Herbst die gefährlichsten Jahreszeiten für Hufrehe?
Gräser speichern Zucker in Form von Fructanen. An warmen, sonnigen Tagen steigen die Fructanwerte im Gras an. Normalerweise nutzt die Pflanze diese Zucker über Nacht für ihr Wachstum — aber wenn die Nächte kalt sind, sinken die Temperaturen zu stark für das Pflanzenwachstum. Die Zucker können nicht abgebaut werden und häufen sich an.
Ein Pferd mit ID, das morgens nach einer solchen kalten Nacht auf die Weide geht, kann einen massiven Insulinanstieg erleben. Und genau dieser Anstieg kann einen akuten Hufreheanfall auslösen.
Die sicherste Weidezeit? Früh morgens, wenn die Fructanwerte am niedrigsten sind — aber bei Pferden mit bekannter ID sollte der Weidezugang während der Risikozeiten vollständig vermieden werden.

Wie managt man ein Pferd mit Insulindysregulation?
Schritt 1: Eine genaue Diagnose stellen
Verdacht auf ID bei Ihrem Pferd? Verlassen Sie sich nicht allein auf eine einfache Blutprobe. Viele Pferde mit ID zeigen nur dann abnormale Insulinspiegel, wenn sie mit Glukose stimuliert werden. Ein dynamischer oraler Glukosebelastungstest liefert ein zuverlässigeres Bild. Besprechen Sie dies mit Ihrem Tierarzt.
Schritt 2: Klug füttern
Für Risikopferde ohne bestätigte ID-Diagnose:
- Lassen Sie Ihr Heu auf den Zuckergehalt testen — die Werte variieren stark zwischen verschiedenen Chargen
- Begrenzen Sie Futtermittel mit hohem NSK-Gehalt (vorzugsweise < 15 % NSK)
- Geben Sie kleine, häufige Mahlzeiten
- Seien Sie vorsichtig mit eiweißreichen Ergänzungsmitteln: Aminosäuren können ebenfalls die Insulinfreisetzung stimulieren
Für Pferde mit bestätigter ID oder Hufrehe:
- Verwenden Sie zuckerarmes Heu (< 10 % WSC), bestätigt durch Analyse
- Wählen Sie NSK-arme (< 10 %) und ballaststoffreiche Kraftfuttermittel — vermeiden Sie Getreide
- Streben Sie < 0,1 g NSK pro kg Körpergewicht pro Mahlzeit an
- Fügen Sie einen Vitamin-Mineralstoff-Balancer hinzu, wenn Sie nur Raufutter füttern
Schritt 3: Weidezugang verwalten
- Vermeiden Sie den Weidegang nach kalten Frühlings- oder Herfstnächten
- Verwenden Sie einen Fresskorb, um die Grasaufnahme zu begrenzen
- Geben Sie vor dem Weidegang Heu
- Bei bestätigter ID oder Hufrehe: Weidezugang vollständig entfernen und einen Paddock ohne Gras nutzen
Schritt 4: Tägliche Bewegung fördern
- Regelmäßige, leichte Bewegung verbessert die Insulinsensitivität
- Alleiniger Weidegang reicht oft nicht aus — erwägen Sie Longieren, Reitarbeit oder Arbeit an der Hand
- Passen Sie die Aktivität an den Komfort und die Hufgesundheit des Pferdes an
Schritt 5: Metabolisches Gleichgewicht von innen unterstützen
Hier eröffnet aktuelle wissenschaftliche Forschung einen vielversprechenden neuen Weg. Eine placebo-kontrollierte Studie bei Pferden zeigte, dass eine spezifische Mischung ätherischer Öle — oral über 6 Wochen verabreicht — die Insulinsensitivität bei Pferden mit schwerer ID verbesserte. Dies wurde ohne Änderungen der Ernährung oder des Managements erreicht.
Darüber hinaus verschoben sich spezifische Blutmetabolite in eine günstige Richtung: Marker im Zusammenhang mit dem Energie- und Aminosäurestoffwechsel, primären Gallensäurewegen und Entzündungsprozessen verbesserten sich alle signifikant. Dies deutet darauf hin, dass ätherische Öle die metabolische Dynamik auf zellulärer Ebene positiv beeinflussen können.
Dies ist ein neuer, spannender Ansatz: nicht Symptome behandeln, sondern die zugrundeliegende Ursache angehen.

Häufig gestellte Fragen zur Hufrehe beim Pferd (FAQ)
Was sind die ersten Anzeichen von Hufrehe beim Pferd?
Die ersten Anzeichen sind oft subtil: ein kurzer, steifer Gang, Widerwillen beim Wenden, erhöhte Wärme in den Hufen oder ein Pferd, das sein Gewicht von den Vorderbeinen auf die Hinterbeine verlagert. Ein Pferd, das ungewöhnlich ungern geht, verdient immer besondere Aufmerksamkeit.
Kann sich ein Pferd vollständig von Hufrehe erholen?
Leichte Fälle können sich bei richtiger Behandlung und Managementanpassungen gut erholen. Bei schwerer oder wiederkehrender Hufrehe — insbesondere wenn eine Rotation des Hufbeins aufgetreten ist — ist die Prognose vorsichtiger und ein lebenslanges Management ist in der Regel erforderlich.
Ist Hufrehe dasselbe wie Hufbeinrotation?
Nein. Hufrehe ist die Entzündung der Lamellen im Huf. Eine Hufbeinrotation ist eine mögliche Folge schwerer oder unbehandelter Hufrehe, bei der der Knochen seine normale Position verliert.
Welche Pferderassen sind am anfälligsten für Hufrehe?
Ponys (Welsh, Shetland, Connemara), Kaltblut-Rassen und bestimmte Warmblut-Rassen tragen aufgrund ihrer genetischen Empfindlichkeit gegenüber Insulindysregulation ein höheres Risiko. Allerdings können Pferde aller Rassen Hufrehe entwickeln, insbesondere bei Übergewicht oder zugrundeliegenden Erkrankungen wie PPID.
Darf ein Pferd mit Hufrehe noch auf die Weide?
Während eines aktiven Hufreheanfalls: absolut nicht. Für Risikopferde oder solche mit diagnostizierter ID: Weidezugang stark einschränken oder vollständig vermeiden, besonders im Frühjahr und Herbst. Nutzen Sie einen graslosen Paddock oder einen Fresskorb als Alternativen.
Können Ergänzungsmittel helfen, Hufrehe vorzubeugen?
Ergänzungsmittel sind kein Ersatz für ein gutes Management, aber sie können eine unterstützende Rolle spielen. Aktuelle Forschungen zeigen, dass spezifische Mischungen ätherischer Öle die Insulinsensitivität bei Pferden mit ID verbessern können. Besprechen Sie die Verwendung von Ergänzungsmitteln immer mit Ihrem Tierarzt, insbesondere in Kombination mit Medikamenten.
Referenzen:
1. Pollard et al. (2018). Incidence and clinical signs of owner-reported equine laminitis in a cohort of horses and ponies in Great Britain. Equine Veterinary Journal.
2. Loos et al. (2024). Essential oil supplementation improves insulin sensitivity and modulates plasma metabolome of hyperinsulinemic horses. Frontiers in Veterinary Science, 11, Article 1444581.